Rechnungsfreigabe ohne Abo-Falle: Wie wir mit n8n & OCR das 'Abtippen' in 72h beendeten
Rechnungsfreigabe ohne Abo-Falle: Wie wir mit n8n & OCR das ‘Abtippen’ in 72h beendeten
Sie verlieren regelmäßig 3% Skonto, weil der Geschäftsführer im Urlaub ist und niemand Zugriff auf sein Postfach hat. Ihre Buchhaltung überträgt IBANs manuell aus PDFs in das Banking-Tool, was unweigerlich zu Zahlendrehern und 25€ Rücklastschriftgebühren führt. Währenddessen kommt eine Rechnung digital als PDF rein, wird für die Unterschriftenmappe ausgedruckt, gestempelt und für die Archivierung wieder eingescannt.
Dieser Medienbruch ist kein „Digitalisierungspotenzial“, sondern operative Geldverbrennung.
Warum das „Papierlose Büro“ an der Unterschriftenmappe scheitert
Die meisten KMU scheitern nicht an der Technik, sondern am Workflow. Das typische Szenario: Eine Eingangsrechnung landet im Sammelpostfach buchhaltung@firma.de. Ab hier beginnt das Chaos.
Der Prozess bricht, weil die Freigabe an Personen gebunden ist, die ERP-Systeme hassen. Wenn Sie von einem Projektleiter verlangen, sich in SAP Business One oder WeClapp einzuloggen, nur um einen Haken zu setzen, wird er es nicht tun. Die Folge: Am 28. des Monats rennt die Buchhaltung den Freigaben hinterher, weil E-Mails im Spam gelandet sind oder schlicht ignoriert wurden.
Die Lösung ist keine neue Software-Insel für 500€ im Monat, sondern eine Middleware, die vorhandene Tools verbindet.
Der 3-Stufen-Stack: Vom Anhang zur Buchung
Wir bauen keine neuen Benutzeroberflächen. Wir nutzen die Kanäle, die Ihre Mitarbeiter bereits offen haben. Hier ist der technische Aufbau, wie wir ihn in der Praxis implementieren.
1. E-Mail-Parser statt „Speichern unter”
Ein n8n-Workflow überwacht das Postfach. Sobald eine Mail mit Anhang (PDF) und Kennwort „Rechnung” eingeht, greift der Parser.
- Technik: IMAP-Trigger in n8n.
- Filterung: Ausschluss von Dateigrößen < 5KB (oft E-Mail-Signaturen/Logos).
2. OCR-Validierung (Kein Abtippen)
Das PDF wird an einen OCR-Provider gesendet. Wir setzen hier bewusst auf AWS Textract oder Google Vision API statt auf einfache Open-Source-Bibliotheken wie Tesseract, da wir Tabellenstrukturen (Positionsdaten) benötigen.
- Extraktion: Rechnungsnummer, Datum, Netto/Brutto, IBAN, Lieferantenname.
- Validierung: Der Workflow prüft gegen Ihre Stammdaten (z.B. in Lexware oder einer SQL-Datenbank). Kennt das System die IBAN nicht? → Warnhinweis.
3. Freigabe via MS Teams (Der „Zero-Login“ Ansatz)
Das ist der entscheidende Hebel. Der Geschäftsführer oder Projektleiter erhält eine Nachricht in MS Teams.
- Inhalt: Eine „Adaptive Card“ mit den extrahierten Kerndaten und einem Link zum PDF.
- Aktion: Zwei Buttons: „Freigeben“ oder „Ablehnen + Kommentar“.
- Vorteil: Kein Login, keine VPN-Einwahl ins ERP, keine App-Wechsel. Klick auf dem Smartphone genügt.
Das Prozess-Diagramm
graph TD
A[E-Mail Eingang PDF] -->|IMAP Trigger| B(n8n Workflow)
B -->|API Call| C{AWS Textract OCR}
C -->|Daten extrahiert?| D[Validierung gegen Stammdaten]
D -->|Match| E[MS Teams Adaptive Card]
D -->|No Match/Error| F[Manuelle Prüfung Slack/Teams]
E -->|Button: Freigabe| G[Erstellung DATEV XML]
G -->|Upload| H[DATEV Unternehmen Online / DMS]Technischer Deep Dive: Die DATEV-Schnittstelle
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele SaaS-Tools versprechen eine DATEV-Integration, liefern aber nur eine CSV, die Sie manuell importieren müssen.
Eine saubere Automatisierung nutzt die DATEV XML-Schnittstelle online. Der Workflow generiert nach der Freigabe zwei Dateien:
document.pdf(Das Original-Belegbild)document.xml(Metadaten: Kreditor, Betrag, Datum, Buchungstext)
Diese Dateien werden als ZIP-Archiv an den DATEV Belegbilderservice übertragen. Das Ergebnis: In DATEV Unternehmen Online erscheint der Beleg bereits vorkontiert. Die Buchhaltung muss nur noch prüfen und „Buchen“ drücken. Kein Abtippen von Rechnungsnummern, keine Tippfehler bei der IBAN.
Bei Legacy-Systemen ohne Cloud-API (z.B. alte Sage 100 Installationen oder DATEV Rechnungswesen rein on-premise) nutzen wir einen überwachten lokalen Ordner im Netzwerk, in den der Workflow die XML/CSV-Dateien ablegt, die das ERP per Import-Job alle 10 Minuten zieht.
Mini-Case: Zeitersparnis durch Automatisierung
Bei unseren Projekten zur Rechnungs-Automatisierung sehen wir regelmäßig massive Effizienzgewinne.
Die Ausgangslage (Before):
- Rechnungseingang zentral per Mail oder Post.
- Manuelle Ablage in Ordnerstrukturen oder physische Unterschriftenmappen.
- Hoher Zeitaufwand für manuelle Dateneingabe in ERP/DATEV.
- Fehleranfälligkeit bei IBANs und Beträgen.
Die Lösung (After):
- Vollautomatischer Import aus E-Mail-Postfächern.
- OCR-Erkennung (AWS Textract) mit Plausibilitätsprüfung.
- Freigabe-Workflows via Slack oder MS Teams (Zero-Login).
- Nahtlose DATEV-Übergabe.
Die Metrics:
- Bis zu 95% Dunkelbuchungs-Quote.
- Eliminierung von manuellen Erfassungsfehlern.
- Deutliche Reduktion der Durchlaufzeiten.
Was wirklich geht – und was oft blockiert
Lassen Sie uns ehrlich über die Grenzen sprechen. OCR ist mächtig, aber nicht fehlerfrei.
- Handschrift: Wenn Lieferanten handschriftliche Korrekturen auf Lieferscheine kritzeln, scheitert die Automatisierung. Hier bauen wir eine „Human-in-the-Loop“-Schleife ein: Der Workflow leitet das Dokument an einen Sachbearbeiter zur manuellen Prüfung, wenn der „Confidence Score“ der OCR unter 90% liegt.
- Schatten-IT: Wenn Mitarbeiter Rechnungen auf ihre privaten WhatsApps bekommen und abfotografieren (schlechte Lichtverhältnisse, Knicke), steigt die Fehlerrate drastisch.
- GoBD: Die Automatisierung darf das Originaldokument nicht verändern. Der Workflow muss ein Protokoll (Audit Trail) erzeugen: Wer hat wann freigegeben? Dieses Protokoll wird als Zusatzseite an das PDF angehängt oder als Notiz im Datensatz gespeichert.
FAQ
Ist das GoBD-konform? Ja, wenn die Verfahrensdokumentation stimmt. Der Prozess stellt sicher, dass das Original unveränderbar archiviert wird und jeder Schritt (Eingang, OCR, Freigabe, Buchung) nachvollziehbar protokolliert ist.
Lohnt sich das für 20 Rechnungen im Monat? Nein. Wenn Sie unter 50 Eingangsrechnungen pro Monat haben, ist der manuelle Weg oft schneller als das Setup einer Automatisierung. Ab ca. 100 Belegen oder komplexen Freigabeprozessen (mehrere Standorte/Abteilungen) kippt die Rechnung massiv ins Plus. Mit unserem ROI-Rechner können Sie vorab kalkulieren, ob sich eine Automatisierung für Sie lohnt.
Fazit
Sie müssen keine teure „All-in-One”-Lösung kaufen, um Ihre Rechnungsfreigabe zu fixen. Oft reicht eine pragmatische Verbindung Ihrer bestehenden Systeme (Office 365, DATEV) über eine Middleware wie n8n. Mehr über unseren Ansatz zur Prozessautomatisierung erfahren Sie hier.
Das Ziel ist nicht, dass Sie modern wirken. Das Ziel ist, dass Sie nicht mehr 25€ zahlen, weil jemand eine Ziffer der IBAN vertauscht hat.
Lassen Sie uns prüfen, ob Ihre Systemlandschaft für diesen Workflow bereit ist.
Machbarkeits-Check in 15 Minuten (Skizze auf dem Bierdeckel)
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